Obstbau zwischen Marktdruck und Zukunftsstrategie: Fruchtwelt Bodensee eröffnet

Politik und Branche betonen Bedeutung des Obstbaus für Baden-Württemberg – Forderung nach verlässlichen Rahmenbedingungen und auskömmlichen Preisen – Fruchtwelt Bodensee als Forum für Austausch und Zukunftsfragen
20. Februar 2026

Mit deutlichen Worten zur wirtschaftlichen Lage und klaren Erwartungen an Politik und Markt sind am Freitag die 43. Bodensee-Obstbautage im Rahmen der Fruchtwelt Bodensee in Friedrichshafen eröffnet worden. Trotz stabiler Erntemengen stehen viele Betriebe unter erheblichem Preisdruck. Gleichzeitig setzt die Branche auf Forschung, Digitalisierung und technische Innovation, um ihre Zukunft aktiv zu gestalten.

„Der Obstbau am Bodensee ist ein Stück Identität unseres Landes, die es zu erhalten und zu stärken gilt“, betonte Staatssekretärin Sabine Kurtz aus dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg zum Auftakt der Fachmesse. Die Branche behaupte sich trotz immer größerer Herausforderungen vor allem aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. 

„Wir müssen bürokratische Hürden abbauen und Anreize für Investitionen in moderne, nachhaltige Technologien schaffen, damit der Obstbau im Land auch für die nächste Generation attraktiv bleibt“, sagte die Staatssekretärin. „Die Fruchtwelt Bodensee ist ein bedeutsames Forum mit internationaler Aufmerksamkeit, gibt als Leitmesse Orientierung und schafft Raum für den Austausch der Branche.“

Gute Ernte, aber schwierige Preislage

Der Vorsitzende der Obstregion Bodensee, Erich Röhrenbach, stellte die wirtschaftliche Situation der Branche in den Fokus. Die Apfelernte 2025 habe in der Bodenseeregion rund 250.000 Tonnen Tafeläpfel umfasst, deutschlandweit seien es 1,1 Millionen Tonnen gewesen, in der EU 10,9 Millionen Tonnen. Diese Menge sei eigentlich gut vermarktbar gewesen. Dennoch habe sich gezeigt, dass sie kein Garant für auskömmliche Erzeugerpreise sei. Für das Standardsortiment seien die Preise zuletzt „desaströs“ gewesen. Dies müsse Anlass sein, die Situation ehrlich zu analysieren und dann aber auch zu handeln. Röhrenbach warnte davor, dass einzelne Produktionsgebiete über das Mengenziel hinausschießen und durch andauernde Aktionsverkäufe einen ruinösen Preiswettbewerb auslösen könnten. 

Zugleich verwies er auf die Bedeutung eigener Züchtung im regionalen Klimakontext. Die neue Sorte „Mammut“ etwa werde seit drei Jahren forciert. Es ist die erste Sorte, die im Rahmen der regionalen FAIRDI-Initiative von Obstregion Bodensee e. V. und dem Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee entwickelt wurde. Ziel der Initiative ist es, robuste und klimaangepasste Sorten mit hoher Fruchtqualität auf den Markt zu bringen. Die Züchtungsarbeit steht exemplarisch für den Anspruch, den Obstbau langfristig zukunftsfähig und nachhaltiger aufzustellen.

Claus Schliecker, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau, verwies auf strukturelle Belastungen im Obstbau. So seien in der vergangenen Saison keine wertschöpfenden Preise erzielt worden. Steigende Mindestlöhne führten in vielen Betrieben zu Mehrbelastungen bis in den sechsstelligen Bereich pro Jahr. Hinzu kämen Einschränkungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Fragen der Drittstaatenregelung für Erntehelfer sowie zunehmende bürokratische Anforderungen. „Wir wollen Obst produzieren und unsere Zeit nicht im Büro beim Ausfüllen von Papieren und Dokumentationen verbringen“, sagte Schliecker. 

Digitalisierung und Risikovorsorge

Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Branche aktiv an Zukunftslösungen arbeitet. Hubert Bernhard, Präsident des Landesverbands Erwerbsobstbau Baden-Württemberg, betonte, dass der Obstbau von morgen digitaler, präziser und intelligenter werde. Robotik, Künstliche Intelligenz, Sensorik und Drohnentechnik seien keine Vision mehr, sondern konkrete Praxis. Sie ermöglichten einen gezielteren Ressourceneinsatz sowie Effizienz und Nachhaltigkeit. Die Voraussetzung für Investitionen sei jedoch Planungssicherheit. „Wer Innovationen erwartet, muss Risikovorsorge ermöglichen.“ Die Weiterentwicklung der Mehrgefahrenversicherung sei ein wichtiger Baustein für die Zukunft der Branche. Momentan gebe es aber große Probleme, alle Betriebe in die Versicherung hineinzubekommen. 

Aus Sicht von Forschung und Beratung sei es entscheidend, Wandel nicht mit Angst zu begegnen, sondern Stärken, Chancen und Risiken klar zu analysieren, betonte Dr. Manfred Büchele vom Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee. Gute Produkte, verlässliche Partnerschaften, moderne Technik und Forschung seien zentrale Ansatzpunkte.

In der anschließenden Podiumsdiskussion zum veränderten Konsumverhalten wurde der Blick auf Markt und Verbraucher gerichtet. Nach Einschätzung der Marktforschung ist der Konsum von Äpfeln in den vergangenen Jahren zurückgegangen, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen. Gleichzeitig wurde betont, dass der Apfel weiterhin für Regionalität und deutsches Obst stehe. Andere Obstsorten wie Avocado oder Heidelbeeren hätten an Bedeutung gewonnen. Diskutiert wurden zudem neue Formate, eine stärkere Ausrichtung auf Verbraucherbedürfnisse und eine aktivere Ansprache jüngerer Zielgruppen. In der Debatte um Pflanzenschutzmittel verwiesen die Teilnehmer auf die hohen Sicherheitsstandards des bestehenden Zulassungssystems.

Preise und Öffnungszeiten

Die Fruchtwelt Bodensee ist vom 20. bis 22. Februar 2026 von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 23 Euro, online 19 Euro. Der Ticketshop ist bereits geöffnet. Weitere Informationen und das Vortragsprogramm im Detail unter: www.fruchtwelt-bodensee.de und https://www.instagram.com/fruchtwelt.bodensee/